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Von den Mutigen und Furchtlosen | Berlin

Sich in einer fremden Stadt zuhause fühlen – kennt ihr das? Durch unbekannte Strassen laufen und zu wissen, dass ihr hier hin gehört?

Genau so erging es mir 2005 in Berlin. Mit jungen 17 Jahren besuchte ich die deutsche Metropole das erste Mal und ich wusste: Hier gehöre ich irgendwie hin. Zwei Jahre später packte ich meine Koffer und flog in die Millionenstadt, um dort zu leben. Ursprünglich sollte es nur ein Praktikumsjahr sein. Doch aus einem wurden fast sechs Jahre. Ich hatte mich verliebt. Verliebt in eine Stadt, die einerseits von ihrer Zerstörung und ihrer Geschichte lebt, andrerseits aufblüht wie der erste Frühlingstag. Berlin ist unheimlich laut und gleichzeitig unheimlich leise. Die Menschen tragen so viel Geschichten in sich, wie ich nur an wenigen Orten bisher erlebt haben. Sie sind geprägt von schweren Zeiten. Manche sind nie darüber hinweggekommen. Der Geruch von abgestandenem Alkohol ist stets gegenwärtig. Das Gefühl von Leid und Armut ebenso.

 

„Auch wenn du überfüllt bist
Warst du immer da
Wenn es wieder zu viel ist
Leg ich mich in den Park
Und vergess die Zeit
Den Müll und den Streit
Was du kannst ist Vielfältigkeit“

 

Doch was fasziniert mich an der Stadt, die so sehr polarisiert? Sind es die hippen Cafés oder die kreative Start-up-Kultur? Die freche Berliner Schnauze oder die Vielfalt der Bevölkerung?

Die Faszination lässt sich für mich nicht in Worte fassen. Berlin ist ein Gefühl. Ein pulsierendes, fast schon ohrenbetäubendes Pochen, wenn man durch die Strassen geht. Rastlos und gleichzeitig so leer. Kreativ und gleichzeitig so farblos. Berlin ist eine Inspiration. Eine Inspiration für Neues. All das Zerstörte scheint neues Leben zu finden. An jeder Ecke eine neue Idee, eine neue Innovation, die womöglich bereits ein paar Jahre später wieder zugrunde geht. Berlin ist Mut. Denn nur die Mutigen und Furchtlosen schaffen es, ihre Träume zu verwirklichen. Es ist ein hartes Pflaster. Ein stark umkämpftes Pflaster. Das Geld reicht nicht für jede Idee, für jeden Traum.

 

„Manche ziehen aufs Land, andere fangen an zu saufen
Weil du weh tun kannst
Wie es sonst keiner kann
Sag mir, wann fängt dein Frühling an“

 

Auch ich ging zurück in die Schweiz. Zurück in die Sicherheit. War ich zu wenig furchtlos? Vielleicht.
Würde ich wieder zurückkehren? Absolut.

Berlin ist mein Herz. Es pulsiert in meinem Takt. Egal, wie lange ich weg bin. In Berlin bin ich zuhause.

 

„Ich hör dich pulsieren
Ich hör dich pulsieren und lauf durch deine Nacht
Ich hör dich pulsieren
Und dein Beat der schlägt und schlägt mir ins Gesicht
Dein Herz ist eine Metropole“

Bosse