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Leise Momente an lauten Konzerten

Ich bin verrückt. Verrückt nach Konzerten. Das Fieber begann bereits, als ich neuen Jahre alt war. Damals schallte die Kelly Family durch das ganze Haus. Die Wände zitterten und meine Mutter regte sich fürchterlich auf. Dann die Ankündigung: die Grossfamilie spielt in Winterthur! Dass ich dahin musste, war für mich klar – nicht aber für meine Eltern. Doch mein Vater konnte den Hundeblicken nicht widerstehen und kaufte zwei Karten. Ganz hinten standen wir. Ich konnte die Musiker kaum erkennen und doch hat es mich gepackt, das Konzertfieber. Der Leittragende: mein Vater. Der musste in den darauffolgenden Jahren regelmässig mit. Je älter ich wurde, umso weiter vorne wollte ich stehen. Er begleitete mich. So sah auch er die Kelly Family gelegentlich aus der 1. Reihe. (Ja, ich rechne ihm das heute noch hoch an!) Doch dabei blieb es nicht, mein Vater begleitete mich auch zu P!nk, Anastacia und Silbermond.

Letztere Band besuchte ich über viele Jahre auf vielen Konzerten. Irgendwann mit Freunden oder alleine. Die Kamera wurde mein ständiger Begleiter. Es machte mir Spass, die Leidenschaft der Künstler auf der Bühne festzuhalten. Die leisen, unbeachteten Momenten taten es mir besonders an. Dann, wenn die Musiker für eine Sekunde in sich gekehrt in einer völlig anderen Welt angekommen schienen. Dann drückte ich ab.

Es ist eine Welt, die mich bis heute fasziniert. Auch wenn ich nicht mehr in der gleichen Häufigkeit auf Konzerten anzutreffen bin, fühle ich mich jedesmal Zuhause. Zuhause zwischen gelebter Leidenschaft, dröhnenden Lautsprechern und den leisen, unbeachteten Momenten.

Bilder: Silbermond und Mark Forster am Stars in Town, 11. August 2017