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Stillstand Flughafen | Zwischen hier und dort

Der Flughafen. Ein Ort zwischen Hier und Dort. Zwischen Abschied und Neubeginn. Ich mag Flughäfen. Das Gewussel vor dem Check-In. Die Nervosität vor der Gepäckkontrolle. Und dann, das Warten auf den Flieger. Letzteres finde ich besonders beruhigend. Warum das so ist, kann ich schwer erklären. Vielleicht, weil ich hier sicher bin vor Veränderungen? Weil hier für eine gewisse Zeit alles zwangsläufig Still steht? Weil ich keinerlei Möglichkeiten habe, etwas anderes zu tun, als runterzufahren und zu warten? Mein Puls ist ruhig. Ganz anders als wenn ich im Flieger sitze, wo ich regelmässig mit Panikattacken zu kämpfen habe. Hier ist der Gedanke des Fliegens weit weg. Abgeschirmt durch die dicken, kalten Wände des Flughafens.

„Du bist auch immer irgendwo unterwegs“, bekomme ich hofft zu hören. Und ja, es stimmt. Ich bin immer irgendwo hier, dann wieder da. Stillstand gibt es in meinem Leben nicht, mir Zeit zu nehmen zum Durchatmen, fehlt mir nach wie vor schwer. Vielleicht sind es genau deshalb die Minuten am Flughafen, die mir diesen Freiraum zwangsläufig einräumen: das Durchatmen vor einer neuen Reise, das kurze Runterfahren und Auftanken von neuer Kraft. Denn meistens sind meine Reisen verknüpft mit Termine, und wenn es nur darum geht, meine Lieblingsmenschen in meiner alten Heimat Berlin zu besuchen. Es sind Reisen, die kaum Ruhe und Entspannung mit sich bringen, wohl aber dem Herzen gut tun – durch ihre Begegnungen und ihre Augenblicke.

Ich liebe es zu reisen. Ich liebe es, zwischen den Welten zu hängen. Irgendwie nirgendwo mehr dazuzugehören, und doch überall zuhause zu sein. Und dennoch sehne ich mich manchmal nach dieser Ruhe, wie ich sie in meiner Wartezeit am Flughafen finde. Der kurze Stillstand. Das Durchatmen. Bevor sich die Welt wieder weiterdreht, und ich mit dem nächsten Flieger abhebe.