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Wie man lernt, alleine zu reisen

„Du fliegst ganz alleine?“, haben sie mich im vergangenen Jahr ganz entgeistert gefragt. Damals habe ich gerade meine Reise nach Südafrika vorbereitet. Es war etwas Neues für mich, so weit weg zu fliegen und alleine zu reisen. Viele konnten das nicht verstehen. Denn das Alleinsein liegt uns nicht. Zumindest haben die meisten von uns Probleme damit. Wir sind gerne umgeben von Menschen, im Rudel fühlen wir uns wohler. Wir können Verantwortung abgeben oder teilen, bei Problemen haben wir Ansprechpartner und können sie so gemeinsam lösen. Ich gebe zu, auch meine Reise nach Südafrika hätte ich lieber in Begleitung gemacht. Doch wie das Leben eben so ist, hatte zu dem Zeitpunkt keiner Geld oder Zeit. So hab ich mich bewusst entschieden, das Wagnis einzugehen und es mir mir alleine zu versuchen. Und der Versuch ist gelungen: Noch nie habe ich so vieles über mich selber gelernt. Seither macht es mir nichts aus, alleine unterwegs zu sein.

So war ich auch kürzlich alleine in Lissabon unterwegs. Geplant war das so nicht. Auch hier hatte das Leben andere Absichten. Meine ursprüngliche Begleitung stand nicht mehr zur Verfügung. So begleitete mich die ersten Tage eine liebe Freundin aus Hamburg, die letzten beiden war ich alleine unterwegs. Und doch habe ich die Tage genauso geniessen können wie die Zeit damals in Südafrika.

Alleine geniessen?

Jawohl, das geht. Aber dazu muss man sich selber ertragen können. Genau daran scheitert es bei vielen. Denn wir sind es gewohnt, von uns selber abgelenkt zu sein. Im Alltag haben wir meist Arbeitskollegen um uns rum, abends sind wir mit Freunden unterwegs oder haben einen Partner bzw. eine Partnerin daheim. Wir sind selten über längere Zeit auf uns gestellt und wenn wir es dann doch sind, überfordert es uns. Zumindest ging mir das so, als ich mit 19 Jahren plötzlich alleine in Berlin stand und realisierte, dass ich mein Leben nun alleine regeln muss. Alleine sein bedeutet, dass man viel mehr Zeit zum Nachdenken hat. Und Gedanken können einen wahnsinnig machen. Wir müssen lernen, gelassen zu bleiben. Uns selber zu vertrauen und negativen Gedanken keinen Raum zu geben.

Wer alleine reist, muss sich diesen Herausforderungen stellen. Aber es gibt kleine Tricks, die das Reisen einfacher machen. So nehm ich beispielsweise immer ein Buch mit, wenn ich unterwegs bin. So habe ich in einem Café oder einem Restaurant immer die Möglichkeit, zu lesen. Oder ich hab ein Notizbuch dabei, um mir Gedanken und Ideen aufzuschreiben. Ich versuche, meine Tage bereits im Voraus zu planen. So dass ich nicht in den Tag hineinleben „muss“ und zu viel Zeit zum Grübeln habe. Das hilft mir ungemein. Zudem kann man sich natürlich immer für Touren anmelden, wo man neue Leute kennenlernt. Oder man bucht direkt ein Hostel, wo auch andere Allein-Reisende untergebracht sind. Dann hilft eine Prise Mut und schon seid ihr in ein Gespräch verwickelt und habt eine Begleitung für die nächsten Tage gefunden!

Gar nicht so schlimm, oder?